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Herkunft: Pyrenäen, Frankreich oder Spanien.
Material: Kiefernholz.
Abmessungen: H. 71 cm
Epoche: 13. Jahrhundert.
Zustand: Sichtbare Fehlstellen, Risse und Wurmbefall
Preis: 7 800€
Ref.288
Thronende Madonna. Pyrenäen 13. Jahrhundert.
Dieses Werk gehört zur romanischen Tradition der thronenden Madonnen (Sedes Sapientiae), wie sie für die Gebirgsregionen der Pyrenäen typisch ist. Die Jungfrau Maria ist auf einer Thronbank mit profilierten seitlichen Stützen sitzend dargestellt und präsentiert Christus, der auf ihrem linken Knie steht. Maria nimmt eine frontale, hieratische Haltung ein, wie sie für romanische Madonnen charakteristisch ist. Diese Hieratik wird durch die ovale Gesichtsform der Jungfrau mit leicht hervortretenden mandelförmigen Augen noch verstärkt. Das verschleierte Haupt war einst von einer heute verlorenen Krone umgeben. Die Behandlung des Körpers kündigt jedoch bereits gotische Einflüsse an: Brust und Hüften sind leicht betont. Die Gestaltung der Gewandfalten ist charakteristisch für den spätromanischen Stil. Unter dem Gürtel der Jungfrau und seinem herabhängenden Ende sind "V"-förmige Falten zu erkennen, gefolgt von einfachen vertikalen Falten. Die Behandlung des Haares Christi sowie seine leichte Lockensträhne erlauben es, die Entstehung des Werkes in eine stilistische Entwicklungsphase des Spätromanischen einzuordnen, wahrscheinlich in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts.
Durch ihre formale Strenge und ihr Material lässt sich diese Skulptur den Erzeugnissen ländlicher Werkstätten der Pyrenäen zuordnen. Sie weist stilistische Affinitäten zu den Madonnen aus der Cerdagne und dem Conflent auf, wo sich romanische Modelle bis in eine späte Zeit hinein erhalten haben.
Das Werk kann mit der Madonna Mare de Déu del Bosc (Espunyola) verglichen werden, einem leider verschollenen Werk, das an den Beginn des 13. Jahrhunderts datiert wird.
Der Erfolg dieser ikonographischen Variante mit dem stehenden Christuskind innerhalb regionaler Werkstätten wird durch mehrere bedeutende Werke des 13. Jahrhunderts belegt. Die Madonna von Alcoletge (Museum von Lleida) sowie die Madonna von Esterri d'Àneu (verschollenes Werk) veranschaulichen die Beständigkeit dieses Modells in exemplarischer Weise.
Die V-förmigen Falten im unteren Bereich des Gewandes und die Haltung auf der Thronbank finden sich auch bei der thronenden Madonna aus dem Mercedarierkloster in Perpignan, die ebenfalls in das 13. Jahrhundert datiert wird.
Vollständiges Dossier auf Anfrage.
Konsultierte Literatur:
· Vierges à l’enfant médiévales de Catalogne, Corpus des Vierges à l’enfant (XIIe-XVe s.) des Pyrénées-Orientales, Subes Marie-Pasquine, Mathon Jean-Bernard, 2013
· Romanes et gothiques : Vierges à l’enfant restaurées des Pyrénées Orientales, JB Mathon 2011.
· Les Vierges en Comminges, inventaire, étude et restauration, Nicole Andrieu, 2013
· Catalunya Romànica, Vigué Jordi, Pladevall Antoni (dir.), Barcelone, Fundació Enciclopèdia Catalana, 1984-1998.