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Herkunft: Roussillon, Frankreich.
Material: Weißer Pyrenäenmarmor.
Abmessungen: Höhe 32 cm, Durchmesser 59 cm.
Epoche: 12. Jahrhundert.
Zustand: Erosion und Fehlstellen
Preis: Auf Anfrage
Ref.293
Romanisches Taufbecken. Pyrenäenmarmor, Roussillon, um 1170.
Dieses seltene romanische Taufbecken, aus weißem Pyrenäenmarmor gearbeitet, der wahrscheinlich aus den Steinbrüchen von Céret stammt, ist ein bemerkenswertes Zeugnis der liturgischen Ausstattung des Roussillon im späten 12. Jahrhundert. Sein vierpassförmiger Grundriss ist in einen annähernd quadratischen Außenkörper eingeschrieben, während ein Astragal die kreisförmige Basis betont und den Übergang zu den sich nach oben erweiternden Wandungen bildet. Die engsten Vergleichsbeispiele finden sich unter den Kapitellen des Südportals von Notre-Dame in Brouilla sowie im Kreuzgang der Kathedrale von Elne und in der Abtei Saint-Martin-du-Canigou.
Die Oberseite ist um ein großes, tief ausgehöhltes halbkugelförmiges Becken angeordnet. Vier kleinere kreisförmige Vertiefungen beziehungsweise Loculi waren um das zentrale Becken herum in den Marmor eingearbeitet; eine davon ging durch eine alte, absichtliche Beschädigung des Randes verloren. Ihre einheitliche Patina und Abnutzung belegen, dass sie zur ursprünglichen Konzeption des Taufbeckens gehören. Sie konnten Ampullen mit dem Heiligen Chrisam und dem Katechumenenöl sowie weitere für die Taufliturgie benötigte Gerätschaften aufnehmen.
Der Außendekor zeichnet sich durch eine bemerkenswerte ikonografische Dichte aus und verbindet menschliche Masken, einen frontal dargestellten Greifvogel mit ausgebreiteten Flügeln und löwenartige Fabelwesen. Die kraftvoll hervortretenden Köpfe sind nahezu vollplastisch gearbeitet, während Augen, Nasenlöcher und bestimmte anatomische Einzelheiten durch den Einsatz des Bohrers hervorgehoben werden. Auf der Hauptseite erzeugt eine aus der Reliefebene hervortretende menschliche Büste eine ausgeprägte Frontalität. Diese Asymmetrie, die strahlenförmige Anordnung des Bestiariums um das Becken und die strukturelle Einbindung der Loculi machen die Annahme eines wiederverwendeten Kapitells wenig wahrscheinlich: Das Objekt wurde von Anfang an als eigenständiges kirchliches Ausstattungsstück konzipiert.
Durch sein Material, sein Tiervokabular und die massive Behandlung der Volumen gehört dieses Taufbecken vollständig in den Zusammenhang der romanischen Skulptur des Roussillon. Das Zusammentreffen von Céret-Marmor, dichter Dekoration, aus der Steinmasse hervortretenden Figuren und einer noch vollkommen romanischen Ausdruckskraft erlaubt es, diese mittelalterliche Skulptur den Werkstätten des Roussillon zuzuweisen, wahrscheinlich zwischen 1170 und 1180.
Vollständige Dokumentation und wissenschaftliche Untersuchung auf Anfrage.
Herangezogene Literatur:
· Marcel Durliat, La Sculpture romane en Roussillon, Perpignan, 1948-1954.
· Géraldine Mallet, De l’usage des marbres en Roussillon entre le XIe et le XIVe siècle : la sculpture monumentale, Patrimoines du Sud, Nr. 4, 2016, S. 29-51.
· Pierre Ponsich, Le cloître supérieur de Saint-Martin du Canigou. Étude en vue d’une restauration, Études roussillonnaises, Bd. XI, 1992.