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Herkunft: Burgund, Frankreich.

Material: Kalkstein.

Abmessungen: Höhe: 90 cm

Epoche: 15. Jahrhundert.

Zustand: Fehlstellen an der linken Hand.

Preis: Auf Anfrage

Ref.280

INFORMATIONSANFRAGE

Umkreis von Antoine Le Moiturier. Burgundische Schule 15. Jahrhundert.

Diese vollplastische Rundskulptur, ausgeführt in einem hellen, feinkörnigen Kalkstein, zeigt eine stehende männliche Figur. Anhand ihrer Attribute und der Kleidung als Apostel identifiziert – vermutlich der hl. Matthäus – verbindet die Gestalt eine betonte Frontalität mit einem leichten Kontrapost: Das Körpergewicht ruht auf dem linken Bein, während das rechte, entlastete Bein leicht nach vorn angewinkelt ist und unter dem schweren Gewand eine subtile Bewegung erzeugt. Der Heilige trägt eine lange Tunika, am Hals hoch geschlossen und am Leib gegürtet, sowie einen weiten Mantel, dessen eine Bahn vorn wie eine Schürze herabfällt und anschließend unter dem linken Arm fixiert ist. Die Skulptur lässt sich dem Umkreis von Antoine Le Moiturier in Autun um 1470–1480 zuschreiben.

Der Künstler bevorzugte schwere Stoffe, deren Materialität durch tiefe, geschmeidige Falten – teils in scharf gebrochenen, „schnabelförmigen“ Knicken – wiedergegeben ist, typisch für Burgund am Ende des 15. Jahrhunderts. Diese schweren Draperien finden sich in Werken, die Antoine Le Moiturier oder seinem unmittelbaren Umkreis zugeschrieben werden, etwa in der Grablegung in Semur-en-Auxois, wo sich zudem Parallelen in der Physiognomie der Gesichter und der Innerlichkeit des Ausdrucks zeigen, oder beim hl. Stephanus im Louvre (Inv. RF 1371), in dem sich ebenfalls diese „drehende“ Dynamik des Faltenwurfs wiederfindet. Die Analyse des Gesichts offenbart eine außerordentliche Feinheit der Ausführung. Der Einsatz des Bohrers zum Aushöhlen der Mittelpunkte der Locken von Bart und Haar schafft ein Licht- und Schattenspiel, das die Steinoberfläche belebt – eine Technik, die in hochwertigen burgundischen Werkstätten häufig angewandt wurde. Die Behandlung der Haartracht erinnert an den hl. Johannes den Täufer von Bussy-la-Pesle, noch stärker jedoch an das Haar des fliegenden Engels im Louvre sowie des Engels am Lesepult im Musée Rolin. Die Locken und ihre Abfolge sind sehr nahe verwandt. Besonders überzeugend wird die Einordnung in den Umkreis von Antoine Le Moiturier durch den Vergleich mit der Mähne eines Löwen auf den Grabfiguren von Johann Ohnefurcht und Margarete von Bayern: Die Ausarbeitung und Anordnung der Locken der Mähne ist erstaunlich ähnlich den Haarlocken unseres Apostels, insbesondere durch eine charakteristische, „löffelförmige“ Vertiefung.
Vollständiges Dossier auf Anfrage.

Herangezogene Literatur:
· Baron, Françoise, Musée du Louvre – Sculpture française – I – Moyen Age, Paris, 1996.
· Jacques Baudoin, La sculpture flamboyante en Bourgogne et Franche-Comté, Créer, 1996.
· Jacqueline Boccador, Statuaire médiévale en France de 1400 à 1530, Zug, Les Clefs du temps, 1974, Bd. 1.

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