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Herkunft: Lothringen oder Barrois, Frankreich.

Material: Nussbaumholz.

Abmessungen: Höhe 49,5 cm

Epoche: Um 1350.

Zustand: Kleine Restaurierungen am Sockel

Preis: 11 500€

Ref.283

INFORMATIONSANFRAGE

Gotische Madonna mit Kind - Ostfrankreich. Mitte des 14. Jahrhunderts.

Dieses in Nussbaumholz vollrund geschnitzte Werk lässt sich den Werkstätten Ostfrankreichs in der Mitte des 14. Jahrhunderts zuordnen. Die Madonna steht leicht im Kontrapost und trägt das auf ihrem linken Arm sitzende Kind. Sie ist in ein Kleid und einen Mantel gekleidet, dessen Saum vorn über den Körper geführt ist, und trägt eine hohe, mit Fleurons besetzte Krone über einem kurzen Schleier, unter dem welliges Haar sichtbar wird. Ihre eher frontale Haltung wird durch das Kind ausbalanciert, das mit der rechten Hand den Saum des mütterlichen Schleiers ergreift. Die elegante Silhouette gehört ganz zum Rayonnant der „höfischen“ Stilrichtung, löst sich jedoch von der mitunter abstrakten Kostbarkeit der Vorbilder aus der Île-de-France, um eine plastische Dichte und eine für die lothringische Skulptur charakteristische Kraft zu behaupten.

Die Skulptur zeigt einen ausgeprägten Einfluss der Île-de-France—vergleichbar etwa mit den Madonnen von Bornel oder Varennes-sur-Seine—, jedoch mit regionaler Energie neu interpretiert. Die Profilansichten offenbaren eine äußerst nervöse Behandlung der seitlichen Mantelfälle: Die Falten staffeln sich in übereinanderliegenden „Schnäbeln“ und tiefen Kehlen mit scharf geschnittenen Graten. Die Linienführung verbindet Pariser Modelle mit lothringischen Prototypen wie der Madonna aus dem Kreuzgang der Kathedrale von Saint-Dié oder der Muttergottes mit Kind von Châtenois, von denen sie sich durch größere Leichtigkeit und einen eleganteren, weniger massiven Charakter unterscheidet. Das Gesicht der Madonna mit schildförmig aufgebautem Oval ist typisch für Produktionen aus dem Raum Metz oder Toul. Kennzeichnend sind eine hohe, gewölbte Stirn sowie mandelförmige, zu den Schläfen hin ausgezogene Augen. Der Ausdruck—still, ernst und nach innen gekehrt—wird durch einen kleinen Mund mit leicht voller Unterlippe betont und entfernt sich vom stereotypen champagnischen Lächeln. Das Gesicht bleibt jedoch schmaler als bei den charakteristischsten lothringischen Exemplaren, was eher auf den Barrois als Schnittstelle zwischen Pariser und lothringischen Einflüssen verweist.
Zu diesem Werk liegt ein Zertifikat von Edouard Bresset aus dem Jahr 1980 vor.
Vollständiges Dossier auf Anfrage.
Herangezogene Literatur:
·Mittelalterliche Skulptur in Sammlungen, Jacqueline Liévaux-Boccador & Edouard Bresset, 1972.
·Bemerkungen zur Muttergottes mit Kind in der französischen Skulptur des 14. Jahrhunderts, Jean Wirth, 2025.
·Gotische Skulptur in Lothringen und ihre Beziehungen zu den Nachbarregionen, J.A. Schmoll gen. Eisenwerth, 1973

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